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Kinder schlafen anders

… und sie haben dafür gute Gründe

Schlaf ist die natürlichste Sache der Welt und die Hauptbeschäftigung von Babys und kleinen Kindern. Er ist für ihre Entwicklung genau so wichtig wie das Wachsein. Trotzdem sorgt der Babyschlaf in vielen Familien für Konflikte, Not und echte Dramen. Die natürlichste Sache der Welt will einfach nicht klappen. Das hat einen Grund.

Von Dr. med. Herbert Renz-Polster, Autor des Buches „Schlaf gut, Baby!“

Der Kinderschlaf

Dass es der Schlaf in sich hat, das ist auch uns Erwachsenen vertraut. Anders als die meisten anderen Dinge des Lebens können wir den Schlaf nicht erreichen, indem wir uns anstrengen. Im Gegenteil: Der Schlaf entsteht durch Entspannung. Er muss uns finden, nicht wir ihn. Das hat die Natur aus einem guten Grund so eingerichtet. Wenn wir schlafen, geben wir ja jede Kontrolle auf. Wir sind schutzlos, reflexlos, machtlos. Der Schlaf darf deshalb nur unter bestimmten Bedingungen passieren – dann nämlich, wenn wir uns sicher und geborgen fühlen. Kein Wolfsgeheul dort draußen, keine knarrenden Dielen. Kein Wunder, dass wir vor dem Schlafengehen noch einmal kurz überlegen, ob der Haustürschlüssel wirklich abgezogen ist. Erst wenn wir uns sicher fühlen, können wir entspannen. Und erst wenn wir entspannt sind, können wir schlafen.

Und bei den Kindern? Ist es genauso. Auch sie stellen dem Sandmännchen Bedingungen. Und welche das sind, das lernen Eltern schnell. Ja, die Kleinen wollen satt sein, sie wollen warm sein, und sie wollen müde sein (das vergessen wir manchmal). Aber dann steht auch bei ihnen eine Frage im Raum: Bin ich sicher, geschützt und geborgen?

Zwei Gemeinheiten

Woraus schöpfen Babys das Gefühl von Sicherheit? Anders als Erwachsene schöpfen sie es nicht aus sich selbst, und das ist gut so: Wie könnte ein Baby allein einen Wolf verjagen? Wie könnte es allein dafür sorgen, dass es zugedeckt wird, wenn das Feuer ausgegangen ist? Wie könnte es allein eine Stechmücke verjagen, die ihm auf der Nase sitzt? Kleine Kinder beziehen ihr Gefühl von Sicherheit von denen, die von Natur aus für den Schutz und die Versorgung des kleinen Menschen zuständig sind: ihren Eltern. Aus diesem Grund passiert die immer gleiche Gemeinheit, sobald ein kleines Kind müde wird: Jetzt spannt sich bei ihm eine Art unsichtbares Gummi an − und das zieht es zu der ihm am besten vertrauten Bezugsperson, mit Macht. Findet es niemanden, so kommt das Kind in Not und weint. Und die damit verbundene Anspannung schlägt dann garantiert das Sandmännchen in die Flucht…

Aber das ist noch nicht alles. Die Kleinen bringen noch ein weiteres Erbe ins Leben mit. Menschenkinder werden im Vergleich zu den anderen Säugetieren in einem sehr unreifen Zustand geboren. Vor allem das Gehirn liegt zunächst einmal nur in einer Schmalspur-Variante vor – es muss seine Größe in den ersten drei Lebensjahren immerhin verdreifachen! Dieser Entwicklungsspurt hat Auswirklungen auch auf den Kinderschlaf. Denn beim Baby bleibt das Gehirn selbst nach dem Einschlafen noch längere Zeit vergleichsweise aktiv – es schafft neue Verbindungen, es wächst im wahrsten Sinn des Wortes. Das braucht viel Energie – Babys wachen deshalb häufiger auf um „nachzutanken“. Zudem ist dieser Reifungsschlaf eher leicht und traumbeladen – Babys lassen sich deshalb oft nicht ablegen, ohne dass sie wieder aufschrecken.

Wie Babys schlafen

Dass kleine Kinder anders schlafen als Erwachsene hat also gute Gründe. Fassen wir kurz zusammen, was über den Schlaf kleiner Kinder bekannt ist.

Kleine Kinder haben einen sehr unterschiedlichen Schlafbedarf. So wie manche Kinder „gute Futterverwerter“ sind, so scheinen manche gute Schlafverwerter zu sein – und umgekehrt! Manche Babys schlafen im Neugeborenenalter 11, andere dagegen 20 Stunden pro Tag (im Mittel liegen sie bei 14,5 Stunden). Mit 6 Monaten kommen manche Säuglinge mit 9 Stunden aus, andere brauchen dagegen bis zu 17 Stunden (durchschnittlich schlafen sie jetzt 13 Stunden). Im zweiten Lebensjahr liegt der tägliche Schlafbedarf im Schnitt bei 12 Stunden – je nach Kind plus/minus 2 Stunden. Mit 5 Jahren kommen manche Kleinkinder mit 9 Stunden aus, andere brauchen aber noch immer 14 Stunden…

Kleine Kinder brauchen eine Weile, um einen Rhythmus zu finden. Während der Schlaf beim Neugeborenen gleichmäßig über Tag und Nacht verteilt ist, lässt sich ab zwei bis drei Monaten immerhin schon ein Muster erkennen: Jetzt wickeln die Babys einen immer größeren Teil ihres Schlafs in der Nacht ab. Trotzdem halten die meisten Babys mit fünf bis sechs Monaten immer noch etwa drei Tagesschläfchen, wenige Monate später kommen viele von ihnen dann tagsüber schon mit zwei Schlafportionen aus. Und sobald sie laufen können, begnügen sich viele von ihnen, aber eben längst nicht alle, mit einem einzigen Mittagsschlaf. Und mit vier, spätestens fünf ist auch der bei den allermeisten Kindern Geschichte.

Dass ein Baby die ganze Nacht ohne Pause schläft, ist eher selten. In der Wissenschaft zählt deshalb ein Baby dann zu den „Durchschläfern“, wenn es nach Angaben der Eltern von Mitternacht bis 5 Uhr Ruhe gibt. Im ersten Lebenshalbjahr wachen (nach Elternangaben) 86 Prozent der Säuglinge regelmäßig nachts auf. Etwa ein Viertel davon sogar dreimal und mehr. Zwischen 13 und 18 Monaten wachen noch immer zwei Drittel der Kleinkinder regelmäßig nachts auf. Jungs wachen nachts insgesamt häufiger auf als Mädchen. Auch Babys im Elternbett melden sich häufiger (dafür aber kürzer…). Gestillte Kinder sind mit dem Durchschlafen insgesamt später dran als nicht gestillte Kinder.

Wege in den Schlaf

Die Schlafformel des Kindes ist im Grunde nicht anders als die des Erwachsenen: Ein Kind will zum Schlafen nicht nur müde, warm und satt sein – es will sich auch sicher fühlen. Und dazu braucht es zunächst einmal seine erwachsenen Begleiter – das eine Kind braucht sie dringender als das andere, das eine Kind länger als das andere. Erfährt ein Kind immer wieder eine solche liebevolle Begleitung in den Schlaf, dann baut es allmählich eine eigene Sicherheit auf, seine eigene „Schlafheimat“.

Es ist deshalb ein Missverständnis, wenn Eltern meinen, beim Schlaf ihres Kindes käme es vor allem darauf an, den einen Trick zu finden, mit dem Babys plötzlich problemlos schlafen. Den gibt es nicht, und wenn, dann funktioniert er nur beim Nachbarkind.

Es ist auch ein Missverständnis, dass Babys verwöhnt würden, wenn sie die Begleitung in den Schlaf bekommen, die sie von Natur aus erwarten. Zu 99 % der Menschheitsgeschichte hätte ein allein schlafendes Baby den nächsten Morgen nicht erlebt – es wäre von Hyänen verschleppt, von Schlangen angeknabbert oder von einer plötzlichen Kaltfront unterkühlt worden. Und doch mussten die Kleinen stark und selbstständig werden. Von wegen Verwöhnung durch Nähe!

Und wir sollten Babys, wenn sie nicht allein in den Schlaf finden können, auch keine Schlafstörung unterstellen. Sie funktionieren im Grunde einwandfrei. Der spanische Kinderarzt Carlos Gonzales hat es einmal so ausgedrückt: „Wenn man mir die Matratze wegnimmt und mich zwingt, auf dem Boden zu schlafen, wird mir das Einschlafen sehr schwer fallen. Heißt das, ich leide unter Schlaflosigkeit? Natürlich nicht! Geben Sie mir die Matratze zurück, und Sie werden sehen, wie gut ich schlafen kann! Wenn man ein Kind von seiner Mutter trennt und ihm das Einschlafen schwer fällt, leidet es dann unter Schlaflosigkeit? Sie werden sehen, wie gut es schläft, wenn Sie ihm seine Mutter zurückgeben!“

Vielmehr geht es darum einen Weg zu finden, der dem Kind signalisiert: Hier kann ich mich wohl fühlen, hier kann ich entspannen. Dann klappt auch der nächste Schritt – der Weg in den Schlaf.

Schlaf gut, Baby!

Genau um diese Wege geht es in dem neuen Buch des Autors: Schlaf gut, Baby! Zusammen mit der ELTERN-Journalistin Nora Imlau räumt er darin Mythen und Ängste rund um den Kinderschlaf aus dem Weg und plädiert für eine entwicklungsgerechte, individuelle Wahrnehmung des Kindes – fernab von starren Regeln. Einfühlsam und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Hilfestellungen ermutigen die Autoren dazu, einen eigenen Weg zu suchen, um dem Baby das Schlafen zu erleichtern.

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Über den Autor

Dr. Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt und assoziierter Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg. Er gilt als eine der profiliertesten Stimmen in Fragen der kindlichen Entwicklung. Seine Werke „Menschenkinder“ sowie „Kinder verstehen“ haben die Erziehungsdebatte in Deutschland nachhaltig beeinflusst. Er ist Vater von vier Kindern.

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